Pflege-Praxis: English Cocker Spaniel

von Christina Grantz

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(Meine Pflegeanleitung ist auch in der Fachzeitschrift Der Hund (4/03) - Sonderteil Pflege und Hygiene erschienen)

 Hanja

Der English Cocker Spaniel ist eine der bekanntesten und weit verbreitetsten Spanielrassen. Er wurde ursprünglich für die Jagd als Stöberhund gezüchtet. Es gibt ihn in vielen attraktiven Farben – Einfarbig (z. B. Rot, Schwarz, ...) und Mehrfarbig (z. B. Blauschimmel, Schwarz/Weiß ,...). Der Cocker ist ein fröhlicher, temperamentvoller Begleiter und sein elegantes Aussehen und liebevolles Wesen lässt ihn zu einem Hingucker werden. Er ist seit Jahrzehnten einer der beliebtesten  Familienhunde. Sein langes seidiges Haarkleid setzt natürlich eine intensive Fellpflege voraus. Hier ist gewisse Sorgfalt erforderlich. Regelmäßiges, tägliches Bürsten und Kämmen ist ein Muss und alle 8 bis 12 Wochen ist ein Trimming nötig. Besonderes Augenmerk muss dem Behang gewidmet werden, sonst kommt es hier schnell zu Verfilzungen und im schlimmsten Fall zu Ohrentzündungen.

 Was viele Menschen nicht glauben: Die Pflege des Cocker Spaniels ist aufwendig. Die besten Voraussetzungen für eine etwas unkompliziertere Haarpflege hat der Cocker, der dem Standard folgend ein glattes, seidiges, niemals drahtiges oder welliges, nicht zu reichliches und niemals gelocktes Haarkleid besitzt. Ein solcher Hund mit echtem seidigen Haar hat meist keine üppige Haarpracht, weder am Kopf, noch an den Läufen und schon gar nicht auf dem Rücken. Solch ein Hund lässt sich natürlich am leichtesten pflegen.

In der Praxis sieht es oft etwas anders aus. Viele Cocker haben ein zu wolliges und üppiges Haarkleid. Der Aufwand, diese Cocker für eine Ausstellung zurecht zu machen, ist sehr groß und in einer einzigen Pflegestunde nicht zu schaffen. Das Trimming muss dann auf mehrere Tage verteilt werden. Für den Liebhaber, der seinen Hund in den Salon bringt, aber keine Ausstellung besucht, wäre der Zeit- und Kostenaufwand zu hoch, darum werde ich hier beide Alternativen erläutern.

Der 8 Wochen alte, zunächst glatthaarige Welpe, wird sich schon bald in den nächsten Monaten zu einem mehr oder weniger kleinen Wollknäuel entwickeln. Der ganze Körper überzieht sich mit einem weichem, wolligen Flaum, dem Welpenhaar, welches unter keinen Umständen zu früh  und mit Gewalt entfernt werden darf. Bis sich das Babyfell lockert, das geschieht etwa im Alter zwischen dem 8. und 12. Monat, wird der Welpe beziehungsweise Junghund  nur gekämmt und gebürstet, die Pfoten und die Afterpartie werden geschnitten und das Haar am Kopf gezupft. Zum Kämmen empfiehlt sich ein Spratt-Kamm Nr. 73 oder ein weitzinkiger Metallkamm, in den ein Gummiband eingeflochten wird. 

Nachdem sich das Welpenhaar gelockert hat, ist es kein Problem mehr, die Decke mit einem Coat King (20 Zähne) oder mit einem Trimmmesser (dieses nur kämmend benutzen) zu bearbeiten, keinesfalls trimmen, das weiche, seidige Haar würde sonst abbrechen!

Jetzt wird sich zeigen, ob der Junghund ein dem Standard entsprechendes Haarkleid besitzt. Im Normalfall bleibt die Jacke jetzt glatt und hat eine leuchtende Farbe.

Vorbereitung:

Um den Cocker gut bearbeiten zu können, wird er zuerst gründlich mit einer Zupfbürste gebürstet und anschließend mit einem Kombikamm gut durchgekämmt. Es dürfen keine Filzknödchen im Haar verbleiben. Besonders ist auf die Achselhöhlen und die Innenschenkel zu achten. Hier kann auch ohne dass es von Außen sichtbar wird, die Schere oder Schermaschine eingesetzt werden. Der Intimbereich des Rüden sollte aus hygienischen Gründen frei gehalten werden.

 Die nummerierten Felder in den folgenden Zeichnungen entsprechen den einzelnen Arbeitsschritten.

Die Nummern in der Zeichnung deuten auf die einzelnen Arbeitsschritte hin (Skizze Ch. Grantz)

1. Schritt: Jacke

 Ich beginne mit dem Rücken. Je nach Fellbeschaffenheit entscheide ich, welches Trimmgerät eingesetzt wird. Entspricht der Spaniel dem Standard, benutze ich lediglich das Magnet-Trimmmesser (sehr feine Ausführung), um loses, totes Haar zu entfernen.  Ist die Jacke aber wollig und lang, pudere ich den Hund zunächst mit Kreidepuder ein. Das Trimmen mit dem Coat King ist so bedeutend leichter, denn die Haare werden griffiger. Der gesamte Rücken (seitlich bis auf die Höhe der Ellenbogengelenke und hinten bis in die Oberschenkel hinein) wird so lange bearbeitet, bis das  Haarkleid schön glatt anliegt.

Es gibt Züchter, die ihren Cocker insgesamt von Hand zupfen. Dazu werden Gummihandschuhe oder Fingerlinge benutzt. Dieser Arbeitsgang  erfordert einen erheblichen Kraft- und Zeitaufwand und wird meistens über mehrere Tage verteilt.  

 2., 3. und 4. Schritt: Afterpartie, Rute und Sprunggelenk

 Um den gesamten Bereich der Afterpartie und die Unterseite des Rutenansatzes zu kürzen, benutze ich eine einseitig gezahnte Effilierschere. Dabei muss man auf fließende Übergänge zur Hinterhand achten.

Die unkupierte Rute soll harmonisch dem Körper angepasst werden. Mit einer geraden scharfen Schere wird eine nicht zu lange Fahne geschnitten. Eine zu üppige Rute dünnt man mit dem Trimmstriegel aus.

 Von den Sprunggelenken abwärts bis hin zu den Pfoten wird mit der geraden Schere glatt, aber nicht zu kurz geschnitten, damit die Winkelungen der Hinterhand optimal zur Geltung kommen. Sollten noch Stufen sichtbar sein, gleiche ich mit der Effilierschere die Unebenheiten aus. Von hinten gesehen wird noch seitlich abstehendes Haar ausgetrimmt.

 5. Schritt: Pfoten

 Die Cockerpfoten sollen wie Katzenpfoten rund, geschlossen und kompakt wirken. Dabei wird alles überstehende Haar, das um die Pfoten und über den Zehen hervortritt, mit der geraden Schere geschnitten. Das Haar zwischen den Ballen wird entfernt, damit sich dort keine Steinchen festsetzen können, die dem Cocker das Laufen sehr erschweren würden. Um besser zwischen die Ballen zu gelangen, benutze ich eine gebogene Pfotenschere.  

 

Die Fotos zeigen jeweils eine fertige und eine noch nicht bearbeitete Pfote:

 6. Schritt: Kopf

 Totes Haar am und auf dem Kopf (Oberkopf und Fang) sollte für den Ausstellungshund nach Möglichkeit nur mit Daumen und Zeigefinger herausgezupft werden. Dazu kann man einen Gummidäumling und wieder etwas Kreidepuder benutzen. Diese Methode ist die beste Methode! Weiterhin ist es möglich, mit einem stumpfen Trimmmesser, das sogenannte Krönchen zu zupfen.

Es gibt allerdings Hunde, wo das Haar am Kopf sehr fest sitzt und denen ich den Schmerz und hohen Zeitaufwand damit erspare, in dem ich die Effilierschere oder Schermaschine einsetze.

 7. Schritt: Hals

 Die Halspartie, bis unter die Ohren und nach unten bis zur Brustbeinspitze, wird V-förmig mit der Effilierschere kurz gehalten.  Einfacher ist es, wie ich es mache: Ich schere ca. 20 Tage vor der Ausstellung gegen die Haarwuchsrichtung mit einem 3 bis 6 mm Scherkopf, so sind bis zum Ausstellungstag keine Schermuster mehr zu erkennen. Kleinere Wirbel effiliere ich dann kurz vor dem Ausstellungstermin noch einmal nach.  

 

 

 

 

 

 

 

   Halspartie vorher

 

 

 

Wichtig ist, dass es keine Stufen oder Absätze zu den glatt getrimmten Seiten gibt. Ich zupfe mit der Hand oder effiliere diese Partien.  

 

 8. Schritt: Behang  

Der Behang soll eng und flach am Kopf anliegen. Die Ohransätze werden mit dem Trimmmesser oder mit der Effilierschere  ausgedünnt. Ich schere sie auf Grund meiner Beobachtungen auf Ausstellungen außen und innen ca. bis zur Hälfte des Ohrlappens mit einem 3 mm Scherkopf.  

 9. Schritt: Vorderläufe

Die Vorderläufe sollen von vorn kurzes, anliegendes Haar aufweisen und nach hinten gut befedert sein. Hierbei kann man je nach Haartyp entscheiden, wie man vorgeht. Am besten sieht es aus, wenn die Vorderläufe gezupft werden, aber es gibt Cocker mit sehr festsitzendem, schwer zu trimmenden Haar. Dort nehme ich wieder die Ausdünnschere.  

10. Schritt

Allzu üppige und starke Befederung wird mit einem feinem Kamm oder mit dem Coat King etwas ausgedünnt. Fahnen, die über den Boden schleifen oder zippelig aussehen, werden vorsichtig gekürzt, so dass eine schöne Linie entsteht.

 11. Schritt: Baden

 Der English Cocker Spaniel sollte nur selten gebadet werden, 3 bis 4 mal im Jahr sind völlig ausreichend. Wird zu oft Shampoo benutzt, trocknet die Haut aus und die natürliche schützende Fettschicht verringert sich. Dieses   kann zu Hautentzündungen führen. Soll der Hund Ausstellungen besuchen, muss er mindestens 3 Tage vor dem großen Ereignis gebadet werden, damit das Haar nicht offen (aufgepludert) wirkt. 

Ich benutze im Salon nach dem Trimming ein gutes, rückfettendes Shampoo und eine Fellaufbauspülung. Beim Baden muss natürlich darauf geachtet werden, dass kein Wasser und Shampoo in die Gehörgänge und Augen kommt.

Das Vortrocknen erfolgt bei mir in der Fönbox, dann arbeite ich mit dem Handfön nach, wobei das Haar ständig glatt gebürstet wird.  

 Evi  

Wenn der Hund vollkommen trocken ist, kontrolliere ich alles noch einmal, um eventuelle Unebenheiten auszugleichen. Das Cockerhaar ist nun wieder glatt und glänzend.  

Arbeitsmaterialien