Yorkshire Terrier  

(von Christina Grantz)

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(Meine Pflegeanleitung ist auch in der Fachzeitschrift Der Hund (3/2004) - Sonderteil Pflege und Hygiene erschienen)

Seit langen Jahren gehört der Yorkshire Terrier zu den populärsten Kleinhunderassen. Aufgrund seiner Größe ist er ein idealer Stadthund. Er ist ein kleines Energiebündel, ein ausdauernder Begleiter auf langen Spaziergängen und Wanderungen. Yorkshires sind sehr anpassungsfähig und kommen mit den Bedingungen in einer Großstadt gut zurecht. Sieht man heute  diese kleinen, zierlichen Hündchen auf Ausstellungen mit ihrer majestätischen Haarpracht, so fällt es schwer zu glauben, dass die Ursprünge dieser Rasse im ärmsten Arbeitermilieu Englands zu suchen sind. Der  Yorkshire Terrier wurde damals gezüchtet, um mit der Rattenplage in den Arbeitervierteln fertig zu werden. Durch gezielte Zucht ist ein zäher, kleiner, charaktervoller Zwerghund mit langem, seidigem Haar entstanden. Das lange Haar wurde anfangs vor allen Dingen dazu benutzt, den Hund aus Rattenlöchern oder Kaninchenbauten leichter wieder herausziehen zu können, auf solch eine Idee würde heute keiner mehr kommen! Die ersten Rassevertreter waren wesentlich größer als die Yorkies, die wir heute kennen, aber im Laufe der Zucht wurde die Idealgröße von 20 bis 24 cm angestrebt.

Von vielen Menschen wird die Pflege des langen Haarkleides als sehr problematisch empfunden. Einige Zeit muss natürlich täglich eingeplant werden, besonders wenn das Haar in seiner vollen Länge erhalten werden soll, um an Ausstellungen teilnehmen zu können. Hierfür sind die benötigten Pflege-Utensilien teurer und vielseitiger. Dabei darf nicht an der falschen Stelle gespart werden, denn spezielle Pflegeprodukte sind für die Yorkie-Haarpflege äußerst wichtig.

Viele Liebhaber dieser schönen Hunderasse, die nicht zu Ausstellungen gehen, schätzen inzwischen aber einen pflegeleichten Haarschnitt, der den Yorkie alltagstauglicher macht. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Viele meiner Kunden wünschen den sogenannten Welpenschnitt, dazu aber später mehr.

Die Voraussetzung für eine schöne Frisur mit gesundem glänzenden Haar ist ein täglich gekämmter und gebürsteter Hund.  Das Haar darf nicht verfilzen, denn  dadurch wird es stumpf und brüchig. Nach einem Spaziergang können sich Knötchen gebildet oder kleine Ästchen  verfangen haben. Diese Stellen müssen die Hundehalter selbst täglich mit dem Fingern lösen und dann darf erst gekämmt und gebürstet werden. Bei unvorsichtiger Behandlung würden die Haare statt zu wachsen, abbrechen.
Um das Seidenhaar geschmeidig und widerstandsfähig zu halten, sollte 2 bis 3 mal wöchentlich etwas Nerzölspray oder Glanzspray mit einer Naturhaarbürste in das Haar eingearbeitet werden.

 

 

GRUNDAUSSTATTUNG:

 
1.  Antistatic-Kamm (Möglichst kein Metallkamm für Ausstellungshunde, denn dieser 

      ,schneidet' die Haare ab!).

 2.  Spezielle Drahtstift-Bürste ohne Noppen (Durch Noppen werden Haare herausgerissen!)
 3.  Spezielles, rückfettendes Shampoo und eine gute Spülung oder Packung
 4.  Spezielles Pflege-Spray (wichtig auch für die Zwischendurch-Pflege).
 5.  Gerade Schere

 6.  Lilliput-Schere (Clipschere)

 7.  Krallenzange

 8.  Augenpflegetücher und Augenreiniger

 9.  Watte und Ohrreiniger

10. Seidenpapier (dieses ist für Ausstellungshunde sehr wichtig und wird benötigt um das

      lange Haar aufzurollen und damit vor Haarbruch zu schützen)

11. Haarschleife und Gummiband

12. Für den Liebhaberschnitt zusätzlich Effilierschere oder Schermaschine

13. Echthaarbürste (um zum Abschluss seidigen Glanz in das Haar zu bürsten)

 

1. Schritt: Baden

Vor dem Bad muss der Yorkshire Terrier gekämmt, gebürstet und entfilzt sein.  Für den Ausstellungshund gilt hier ganz besondere Obacht. Zum Baden verwende ich ein hochwertiges Hundeshampoo und anschließend eine gute Packung oder Spülung. Diese Hunde müssen einmal in Woche gebadet werden. Für den Liebhaberhund gilt je nach Haarlänge und Umwelteinflüsse ein Rhythmus von ca. 3 bis 4 Wochen, aber auf jeden Fall immer vor der neuen Frisur.

 

 

Die Ausstellungsfrisur = Standardfrisur

 

Schon beim Yorkshire-Welpen beginne ich das obere Drittel der Ohrspitzen mit der Clipschere kurz zu scheren. Die Ohrränder schneide ich dann vorsichtig spitz zulaufend herum. Dieser Arbeitsgang ist gerade im Welpenalter sehr wichtig, damit die Ohren nicht durch zu schwere Haare herunter gezogen werden, denn der Standard verlangt Stehohren!

Weiterhin müssen für die Ausstellungsfrisur die Pfötchen geschnitten werden. Dazu nehme ich das lange Beinhaar beiseite und schneide um die Ballenränder herum und auf dem Fuß bis über das erste Zehenglied. Die Pfoten müssen im Stand von dem seidigen Haarmantel bedeckt bleiben und dürfen nur in der Bewegung sichtbar werden.

  Das Kopfhaar wird mit einem Gummi auf dem Oberkopf zusammengebunden. Es darf nicht zu straff sein, sonst können hier kahle Stellen entstehen, was sicher nicht hübsch anzusehen wäre. Zusätzlich zum Gummi auf dem Oberkopf kann auch eine Schleife in das Haar gesteckt werden. Dies ist sehr rassetypisch.

Das Haarkleid soll möglichst lang sein. Die Haarspitzen werden von Zeit zu Zeit etwas in Form geschnitten und damit das lange Haar nicht abbricht, wird es auf Seidenpapier zu kleine Päckchen gewickelt und mit Gummiringen festgehalten.

 Aus den Ohren (den Gehörgängen) müssen die dort immer wieder nachwachsenden Haare herausgezupft werden. Dieses geht am besten mit den Fingern oder mit einer Pinzette. Ab und zu bei Bedarf verwende ich auch etwas flüssigen Ohrreiniger. Ebenfalls kontrolliere ich bei jeder Behandlung die Krallen und kürze sie, wenn es nötig tut. Die Augen müssen täglich mit Augenreinigungstüchern gesäubert werden.

Bevor der Hund in den Ausstellungsring geht, wird das Seidenpapier wieder abgewickelt. Um den nötigen Glanz zu verleihen, wird mit einer Echthaarbürste und etwas Glanzspray das Haar glattgebürstet.

 

Der etwas pflegeleichtere Schnitt

 

Beim Zurechtmachen des Yorkshire Terriers im Salon gibt es viele verschiedene Varianten. Einige meiner Kunden möchten das lange Haar im Grund erhalten, es aber doch etwas pflegeleichter haben. Wie bei der Standardfrisur werden die Haare an den Ohren im oberen Drittel kurz geschnitten. Die meisten Kunden möchten nicht, dass ihr Yorkshire eine Schleife trägt. In diesem Fall bekommt der Hund von mir einen Pony. Dabei schneide ich die Haare, die über die Augen fallen, ab. Die Pfoten werden rund geschnitten und das bodenlange Haarkleid eingekürzt. Afterbereich und beim Rüden der Genitalbereich werden vorsichtig mit der Schere kurz geschnitten.

Das Kopfhaar kann wie hier auch insgesamt gekürzt werden.

 

Welpenschnitt

 

Wenn der Yorkshire Terrier nicht zur Ausstellung gehen soll, ist der pflegeleichte Welpenschnitt genau der richtige für ihn. Mit dieser Frisur kann er Hund sein, darf im Garten Löcher buddeln, durch Pfützen laufen usw. Dieser Schnitt verleiht ihm ein freches Outfit, dass ihn außerdem alltagsfähig und pflegeleicht macht. Es ist die Frisur, die in meinem Salon am meisten verlangt wird.

Zuerst spreche ich mit dem Hundehalter die Haarlänge ab. Der Welpenschnitt schwankt zwischen einer Körperhaarlänge von 3 bis 6 cm und hängt auch von der jeweiligen Haarqualität ab. Ich beginne auf dem Rücken und an den Seiten. Das Haar wird über den Kamm auf die gewünschte Länge mit einer geraden Schere gleichmäßig geschnitten, immer in Haarwuchsrichtung. Bei einigen sehr glatthaarigen Hunden empfiehlt es sich, hier auch mit der Effilierschere zu arbeiten, um Stufen zu vermeiden. Den Halsbereich schneide ich frei Hand, indem ich das Haar hervorkämme und mit der Schere in Längsrichtung abschneide.

Danach schneide ich die Afterpartie kurz und passe die unkupierte Rute der Frisur entsprechend zu einer kleinen Fahne an - eine kupierte Rute der älteren Hunde (Rutenkupierverbot seit 01.06.1998) aber eher kurz.

Die Pfoten werden von unten sauber ausgeschnitten, denn zwischen den Ballen sammeln sich schnell Schmutzpartikel an und es kann Filz entstehen, welcher zu harten Klumpen zusammenklebt und dem Hund das Laufen erschwert. Die Pfotenränder umschneide ich dann mit einer geraden Schere. Auf den Pfoten darf möglichst nichts weggeschnitten werden, der Yorkshire erscheint dann zu plattfüßig.

Zum Schluss kommt der Kopf an die Reihe, da ich jetzt je nach Körperhaarlänge entscheiden kann, welche Kopfhaarlänge zum soweit fertigen Hund passt. Ich beginne mit den Ohren. Diese werden, wie beim Ausstellungshund, mit der Clipschere am oberen Drittel kurz geschnitten und mit der Schere spitz zulaufend umrandet (wohlgemerkt, auch nur im oberen Drittel!).

 Die gesamte Kopfhaarpartie schneide ich dann bis auf die Höhe der freigeschnittenen Ohren.

Das Haar am Oberkopf kämme ich dabei immer von hinten nach vorn und bis über die Augen, die, wie ich immer sage, „sturmfest“ geschnitten sein müssen.

Die Haare, die vom Nasenrücken in die Augen wachsen, müssen aus den Augenwinkeln entfernt werden, es können sonst leicht Entzündungen entstehen.

Die Seitenpartie des Kopfes wird in einem Bogen von der Nase bis zu den Ohren rund geschnitten. Im ganzen ähnelt der Kopf nun dem eines West Highland White Terriers. Allerdings steht das Haar auf dem Oberkopf nicht so gut, da es viel weicher ist.

 

 

Westie - Schnitt

Eine weitere Variante kann wie die Frisur eines Westies aussehen. Dazu verwende ich auf dem Rücken und an der Halspartie die Schermaschine. Je nach Haardichte und Kundenwunsch benutze ich einen Scherkopf von 5 bis 13 mm.

 Die Pfoten werden von unten ausgeputzt und rund geschnitten, die Haare am Bauch nur in Form gebracht und der Kopf so wie beim Welpenschnitt beschrieben rund geschnitten.